Ich war am Samstag bei einer Buchlesung in München. Das Buch, um das es geht, heißt „Wochenenddrebell“. Dahinter stehen Vater Mirco und sein Sohn Jason auf der Suche nach einem Verein, von dem Jason Fußballfan werden könnte. Jetzt fragen sich bestimmt einige, wie man mit diesem Thema ein Buch füllen kann. Ja, für viele andere wäre das vielleicht ganz einfach, einen Lieblingsverein zu finden. Aber Jason hat Autismus, genauer gesagt Asperger. Und deshalb pilgern Vater und Sohn seit Jahren durch die unterschiedlichsten Fußballstadien, doch immer wieder findet der Sohn etwas an einem Verein, dem Stadion oder dem Auflaufen der Mannschaft auszusetzen.

In dem Buch finden sich zahlreiche Erlebnisse der beiden in den letzten Jahren, die oft witzig umschrieben sind. Oft zeigt sich darin aber auch, wie ungewöhnlich der Umgang des Vaters mit seinem autistischen Sohn ist. Von der besonderen Beziehung der beiden zueinander bekam man vorgestern bei der Live-Lesung einen guten Eindruck.

Schon vor der Lesung hatte ich mich im Podcast der beiden darüber gewundert, wie der Junge sich bis ins Detail genau mit schwarzen Löchern auskennt oder dass er weiß, wie Sterne entstehen. Jason kann Dinge so detailliert beschreiben und erklären, dass man denkt, man ist auf einen Wissenschaftler getroffen.

Dazu meint sein Vater Mirco, er höre sich das gerne an, könne aber kaum etwas beitragen zu diesen Gesprächen. Jasons Wissen in diesen Bereichen ist einfach sehr umfangreich; zudem sieht sich der Junge nicht als Kind, sondern von Geburt an als vollwertiger Erwachsener und möchte auch so von seinen Eltern behandelt werden. Es ist bemerkenswert, wie er seinem Vater im Gespräch immer wieder Paroli bietet.

Schwer beeindruckt war ich gestern Abend von den Auszügen aus dem Buch, aber auch von diesem tollen Vater, der über die Jahre gelernt hat, seinen Sohn so gut wie möglich zu verstehen und Probleme mit Fingerspitzengefühl zu lösen. In jeder Familie gibt es gewisse Regeln, z. B. wann Essenszeit ist oder was im Haushalt zu tun ist – jeder hat so seine Aufgaben für die Familie zu leisten. In der Familie von Mirco und Jason gibt es dazu eine ausgearbeitete Familienvereinbarung. Ja, einige Big-Bang-Theory-Fans werden jetzt sagen: klingt wie die Mitbewohnervereinbarung von Sheldon. Das dachte ich mir nämlich sofort; viele Kleinigkeiten erinnern auch sehr an Sheldon in den Geschichten.

Es ist – denke ich – für einen Laien kaum vorstellbar, wie so jemand im Alltag ist und welche Umstände dem Betreffenden Probleme bereiten können. Asperger wird auch als ‚unsichtbare Behinderung‘ bezeichnet; das sehe ich nicht ganz so. Ich glaube, dass ein Kind gemeinsam mit fürsorglichen Eltern, die in einer gefestigten Beziehung leben, viele Situationen gut meistern kann. Jedoch kann jeder Tag neue Herausforderungen mit sich bringen.

Das Buch kann Leute, die sich noch mit Asperger beschäftigt haben, über diese Form von Autismus informieren, aber auch Eltern aufklären, die sich mit der Neudiagnose ihres Kindes befassen. Wer über Jason und Mirco mehr wissen will, kann sich das Buch der beiden besorgen oder sich ihre Webseite ansehen. Hier ist auch der Podcast zu finden.

Wie ich gerade gelesen habe, soll in einigen Jahren der Kinofilm zu dem Buch zu sehen sein. Bis dahin meine klare Empfehlung das Buch zu lesen, den Podcast zu hören oder die beiden auf einer ihrer kostenlosen Live-Lesungen zu besuchen – bis Frühjahr 2019 wollen sie noch touren.

Links

https://www.wochenendrebell.de

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